Vorsicht verführerisch: Reptile-Optiken und Animal-Prints

Vorsicht verführerisch: Reptile-Optiken und Animal-Prints

Ob Schlange, Strauß oder Krokodil: Reptil-Optiken und Animal-Drucke sind ein fester Bestandteil der Taschen- und Accessoires-Mode. Dabei genießen die Häute echter Tiere inzwischen absoluten Seltenheitswert und finden praktisch ausschließlich im Luxus-Segment Verwendung. Dafür tummeln sich die vielfältigsten Drucke auf dem Markt, die sich häufig durch eine erstaunliche Qualität auszeichnen und sich von einem echten Reptilleder manchmal kaum unterscheiden lassen.

Der Modeschöpfer Christian Dior brachte im Jahr 1947 den ersten Leoprint auf den Markt, der das Fell des Tieres lediglich imitierte. Ihm ist der seitherige Siegeszug der Animal-Optiken in der Modewelt zu verdanken. Wurden Schlangenleder früher vor allem für kleinere Lederwaren-Accessoires, wie Börsen oder Gürtel eingesetzt, zieren gedruckte Schlangenoptiken heute die ganze Welt der Lederwaren von der Clutch und der Umhängetasche über den überdimensionalen Shopper bis zum Rucksack. Dabei kommen die Reptil-Drucke vollflächig zur Geltung, im Materialmix oder gerne auch einmal nur als kleines, dezent gesetzes Detail für den Kenner sozusagen. Als „Träger-Material“ wird nicht nur echtes Leder, zum Beispiel Rind, verarbeitet. Die große Palette der Synthetik-Materialien bietet den Designern ebenfalls einen großen, kreativen Spielraum.

Über Geschmack lässt sich bekannt bestens streiten. Schlangen- und Reptilleder gelten als Inbegriff des Luxus – und zuweilen auch der Dekadenz. Daher scheiden sich an Schlangen- und anderen Reptil-Optiken auch die Geister. Sie werden geliebt – oder gehasst. Gleichwohl feiern sie in regelmäßigen Abständen ihr modisches Revival, ohne zwischendurch jemals ganz von der Bildfläche zu verschwinden. Von einem echten Trend im engeren Sinne kann daher kaum mehr gesprochen werden. Zu selbstverständlich gehören sie immer zu einem Teil der Kollektionen, so auch jetzt im Herbst/Winter 2020/2021. Dabei präsentieren sich die Modelle in den unterschiedlichen Farben und Farbstellungen. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei selbstverständlich die Naturtöne wie Anthrazit, Braun, Beige oder Taupe, welche die Prints dezent unterstreichen. Aber auch ausgefallene Modelle in Neon-Pink oder Neon-Grün wurden schon in der freien Wildbahn – oder besser gesagt in den Modemetropolen – gesichtet. Diese bunten Prints stechen ins Auge. Von Tarnung weit und breit keine Spur!

Kombinieren einfach gemacht!

Die Muster mögen sich auf den ersten Blick schwierig kombinieren lassen. Aber wer zu einer Tasche mit Kroko-Print nicht gerade ein Shirt mit Schlangen-Optik, sondern eine etwas schlichtere Bluse aus dem Schrank zieht, hat schon einmal vieles richtig gemacht. Selbst ein wenig wildere Animal-Prints passen auf jeden Fall völlig problemlos zu jedem Look in Schwarz oder Weiß. Aufpassen sollte „frau“ allerdings vor zu engen und zu kurzen Outfits. Der Look, vor allem in Kombination mit Leo-Mustern, kann schnell ein wenig billig wirken. Vor mehreren Mustern ist ebenfalls abzuraten. Schlangen-Optik plus Streifen plus Karo-Muster in einem Outfit sind „too much“. Auch in Kombination zu Kunstpelz können Reptil-Optiken leicht ein wenig zu dick aufgetragen wirken. Also Finger weg!

Außerdem lohnt sich ein genauer Blick auf die Taschen und Lederwaren. Schlange ist ein Oberbegriff für unterschiedlichste Tierarten, die alle charakteristische Merkmale aufweisen.  Ob Python, Boa oder Natter – alle Arten zeichnen sich durch individuelle Musterungen aus. Für einen harmonischen Look ist es wichtig, einer Musterung treu zu bleiben und nicht will durcheinander zu kombinieren.

Besonders extrovertierte und modemutige Frauen können natürlich auch bewusst eine Gegenstrategie wählen. Anstatt den Schlangen-Print der Tasche mit einem ansonsten dezenten Styling auszugleichen, setzen sie mit Key-Pieces extra noch einen oben drauf und lenken die Aufmerksamkeit auf andere Accessoires. Mit einer besonders ausgefallenen Sonnenbrille, einem Ohrring oder extravaganten Schuhen lässt sich dem sonstigen Outfit – und damit auch der Tasche – die Show stehlen.

Ein Blick in die Geschichte

Dass Animal Prints zu den Dauerbrennern in der Modewelt gehören, hat sicher verschiedene Gründe. Je mehr der Mensch im Laufe seiner Geschichte sein eigenes Fell verloren hatte, desto mehr kleidete er sich in Tierfelle. Dabei waren unsere Vorfahren vor vielen Jahren sicher nicht wählerisch: Hauptsache, das Fell erfüllte seinen Zweck und wärmte. Auf ausgefallene Muster und Materialien hatten der Mensch aber mit Sicherheit immer schon ein Auge geworfen. Er will sich schließlich schmücken und sein Schicksal beeinflussen. Und die Menschen nahmen wohl an, dass sich die Charakteristika eines Tieres wie Stärke oder Schönheit auf denjenigen übertragen, der dessen Fell bzw. dessen Haut trägt.

Wir wird ein Animal-Print hergestellt?

Bei der Herstellung von Rind- oder Kalbsleder wird der Animal-Print in den Produktionsprozess integriert. Er wird imitiert, wenn das Leder geprägt und gefärbt wird. Jedes Leder besitzt ein natürliches Narbenbild. Dieses wird beim Prägen verändert – und zum Beispiel mit einer Schlangen-Optik versehen. Dafür wird die Tierhaut mit Pressen oder Walzen bearbeitet.

Außerdem gibt es die so genannte Blindprägung. Sie geht nicht in die Tiefe des Leders. Stattdessen wird lediglich die Oberfläche des Leders variiert. Spezielle Farbfolien bieten bei der Farbprägung die Möglichkeit, die Farbe des Leders zu bestimmen.

Abschließend übrigens ein Appell an die Herren der Schöpfung: Animal-Optiken und Reptildrucke sind längst nicht mehr nur der Damenmode vorbehalten. Eine Geldbörse oder eine Business-Tasche mit dunklen Kroko-Applikationen wirkt äußerst edel und maskulin zugleich. Trauen Sie sich ruhig!

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