Täuschend echt - die angesagtesten Leder-Alternativen
Alternativen zu Leder
Die Menschen nutzen seit Jahrtausenden Leder. Bereits als wir noch in Höhlen lebten, wurden Taschen, Schuhe und Bekleidung aus Leder hergestellt. Es sind vor allem seine Eigenschaften, die das Material so beliebt machen. Leder ist geschmeidig, robust und vielseitig einsetzbar. Es ist sogar relativ wasserfest und atmungsaktiv. Doch wie entsteht Leder, wie wird es eingesetzt und welche Alternativen gibt es?
So wird Leder hergestellt
Damit aus einer Tierhaut haltbares Leder wird, muss sie gegerbt werden. Das Gerben gilt als eine der ältesten kulturellen Errungenschaften der Menschheit. Heute wird Leder größenteils durch den Einsatz von Chemikalien hergestellt. Diese Methode hat die pflanzliche Gerbung weitgehend abgelöst. Diese wird auch als vegetabile Gerbung bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Verfahren auf pflanzlicher Basis. Im Vergleich zur chemischen Gerbung dauert der Prozess jedoch länger.
Leder in der Mode
In der Mode spielt Leder seit jeher eine wichtige Rolle und ist oftmals gleichbedeutend mit hoher Qualität. Vor allem Taschen und Schuhe werden aus unterschiedlichen Lederarten hergestellt. Shopper, Umhängetaschen, Schultertaschen, Messenger Bags und auch Weekender werden aus dem Material gefertigt. Besonders beliebt ist Leder auch deshalb, weil es mit zunehmender Tragedauer eine besonders schöne Patina entwickelt. So werden Taschen zu echten Lieblingsstücken, die mit emotionalen Erlebnissen oder Momenten verknüpft sind.
Nachfrage nach Alternativen steigt
Zugleich ist die Nachfrage nach Alternativen zu Leder in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Das hängt unmittelbar mit dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit zusammen. Immer mehr Frauen und Männer stellen ihre Konsumgewohnheiten um und kaufen bewusster ein. Dazu gehören für viele Alternativen zu Tierleder dazu. Vor kurzem hat das Hamburger Unternehmen Otto eine Untersuchung zum sogenannten ethischen Konsum durchgeführt. Das Fazit der Forscher fiel eindeutig aus: Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen mit ihren Einkaufsentscheidungen zunehmend etwas Gutes tun. Corona hat bei vielen Menschen zu einem Umdenken geführt, Kaufentscheidungen werden besser durchdacht, auf Notwendigkeit überprüft und sie scheinen eine andere Tragweite im Leben des Einzelnen zu bekommen. Laut der Studie können sich 60% der Deutschen inzwischen vorstellen, beim Einkauf die wahren Kosten für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Bedeutung des ethischen Konsums nicht nur in den Köpfen der Menschen angekommen ist, sondern zunehmend auch die Bereitschaft besteht, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Mit Blick auf die Mode bedeutet das, dass insbesondere die Materialien stärker in den Fokus rücken.
Welche Leder-Alternativen gibt es?
Leder ist bei weitem nicht das einzige Material, aus dem Taschen gefertigt werden können. Mittlerweile gibt es sehr viele Alternativen. Allgemein am weitesten verbreitet sind synthetische Kunstleder, die allerdings auf Erdöl basieren und somit nur schwerlich als nachhaltig und umweltverträglich bezeichnet werden können. Vielmehr wird mit Hochdruck daran gearbeitet, aus pflanzlichen Fasern Materiqlien herzustellen, die mit den Eigenschaften von Leder mithalten können. Eine spannende Neuheit ist zum Beispiel eine Lederalternative aus Ananas. In der Vergangenheit wurden die Blätter der Frucht bei der Ernte als Abfall betrachtet. Die Spanierin Carmen Hijosa hat mit Pinatex jedoch einen Ersatz für Leder entwickelt. Um einen Quadratmeder „Ananasleder“ herzustellen, werden die Blätter von rund 16 Ananas benötigt. Aus den Fasern der Blätter wird ein Vlies gewonnen, dass anschließend zu Taschen und Schuhen verarbeitet werden kann. Generell scheint in landwirtschaftlichem Abfall viel Potenzial zu stecken. So werden neben der Ananas auch Äpfel- und Traubenreste zu widerstandsfähigen Stoffen. Die Innovation „Apfelleder“ stammt dabei ursprünglich aus Südtirol. Hier wurde ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, aus dem Trester, der bei der Apfelsaftherstellung anfällt, ein lederartiges Material zu gewinnen. Dazu wird der Trester getrocknet und pulverisiert, Schicht für Schicht auf einen Canvas-Stoff aufgetragen und zu guter Letzt geprägt, damit der typische Leder-Look entsteht. Überwiegend verarbeiten kleine Familienbetriebe in der italienischen Region das „Apfelleder“ zu Handtaschen. Ganz ähnlich funktioniert dieses Prinzip mit Traubenresten aus der Weinproduktion. Auch hier wird alles, was nicht in der Flasche landet – Stiele, Kerne und Schalen – zu einem Lederersatz weiterverarbeitet. Dabei kann aus einer schier unerschöpflichen Quelle geschöpft werden. Bei der Weinproduktion fallen nämlich jährlich rund 7 Mrd. Tonnen Trester an. Dem Einfallsreichtum der Forscher sind keine Grenzen gesetzt. Auch aus Kork, Eukalyptus und sogar Pilzen können heute bereits Alternativen zum Leder entstehen.
Tipp: Deutsches Ledermuseum
Abschließend noch ein Tipp: Wer mehr über die Geschichte des Materials Leder erfahren möchte, dem sei ein Ausflug nach Offenbach am Main empfohlen – sobald dies wieder problemlos möglich ist. Hier steht nämlich das Deutsche Ledermuseum (DLM), das in wechselnden Ausstellungen und der umfangreichen Sammlungen einen tiefen Einblick in die Welt des Leders bietet. Ein Highlight ist die Ausstellung mit dem Titel „Step by Step: Schuh-Design im Wandel“, die vorraussichtlich noch bis Ende Dezember 2021 gezeigt wird. Über 150 ausgewählte Schuhpaare zeugen sowohl von Kontinuitäten als auch Brüchen in der Entwicklung des Schuhs wie des Schuhdesigns. Traditionelle Schuhmodelle wie seidene Stiefeletten aus Europa, indische Zehenpflocksandalen oder ein Samuraistiefel aus Japan ergänzen zahlreiche
Schuhkreationen anerkannter Designer und Designerinnen wie etwa Manolo Blahnik, Jimmy Choo, Roger Vivier oder Stella McCartney.