Wenn das Turnvater Jahn wüsste!
Die Mode treibt manchmal seltsame Blüten. Wer hätte vor einer Generation zum Beispiel erwartet, dass sich aus dem unscheinbaren Turnbeutel ein angesagtes Accessoire entwickelt? In den Straßen in „Prenzlberg“ oder Köln-Ehrenfeld können sich damit nicht Grundschulkinder blicken lassen, sondern auch Jugendliche auf dem Weg zu Freunden oder Erwachsene beim Gang ins angesagte Co-Working-Space.
Der „Athleisure“-Trend boomte in den letzten Jahren. Das einstige Anhängsel im Erstklässler-Schulranzen-Set mauserte sich im Zuge dieser Entwicklung zu einem ernstzunehmenden Mode-Artikel. Außerdem erhielt der Turnbeutel selbstverständlich auch einen modernen Namen. Alle, denen der Begriff zu muffig daherkommt, und die der Retro-Welle nichts abgewinnen können, sprechen inzwischen daher lieber von der „Gym Bag“. Klimatisiertes Yoga-Studio statt kalter Sporthalle, Sonnengruß statt Felgaufschwung!
Der Turnbeutel ist definitiv ein Kind der 50er-Jahre. So legten die Schullehrpläne der ehemaligen DDR fest, dass als Teil der „Einhaltung der Grundregeln der Hygiene“ außer auf Körperreinigung und Reinhaltung von Übungsstätten auf „saubere Turnkleidung und Turnbeutel“ zu achten sei. Als Begleiter zu sportlichen Aktivitäten verlor der Turnbeutel im Laufe der Jahre allerdings immer mehr an Bedeutung. Größere Sporttaschen und -rucksäcke, die sich einfacher und besser packen lassen, nahmen seinen Platz ein.
Turnbeutel: Vielfalt bei Materialien und Design
Umso mehr entpuppte sich der Turnbeutel als lässige Alternative zur klassischen Handtasche oder zum Daypack. In der Vergangenheit waren die Modelle zumeist aus leichten synthetischen Materialien gefertigt. Inzwischen gibt es sie aber auch aus robustem Baumwolle Canvas, Denim oder Leder. Beliebt sind zudem Materialkombinationen, unter anderem aus Leder und Canvas. Verarbeitet werden aber auch exotischere Materialien wie etwa Kork. Für mehr Stabilität wird in Baumwollkordeln außerdem manchmal ein Polyesterfaden eingearbeitet.
Ein fettes Logo als markantes Designelement oder lieber schlicht in unauffälligem Grau? Wer es expressiv und knallig mag, wird ebenso fündig wie der Fan des kultivierten Understatements. Farben, Prints, Muster, Sprüche – es gibt nichts, was es nicht gibt. In der aktuellen Saison sind unter anderem Karomuster schwer angesagt. Neben den angesagten Marken der Sportbranche haben inzwischen auch zahlreiche Modelabels „ihren“ Turnbeutel in der Kollektion.
Umtausch nahezu ausgeschlossen! Dank der enormen Auswahl sind Turnbeutel übrigens auch eine tolle Geschenkidee. Für jeden noch so ausgefallenen Geschmack – und übrigens auch Geldbeutel – findet sich bestimmt das passende Modell. Und mit der Passform gibt es dank der Einheitsgröße auch keine Probleme. Wer also für Weihnachten noch keine Idee hat, was er seinem oder seiner Liebsten unter dem Baum legen möchte, kann an dieser Stelle jetzt erleichtert aufatmen.
So groß die Auswahl, so variabel zeigt sich auch das Volumen der verschiedenen Turnbeutel. Die kleinsten Modelle fassen keine zehn Liter, die größeren bieten bis zu 25 Litern und mehr. Der Übergang zu Seesack-Modellen und -Optiken ist dabei fließend. Nicht jeder Turnbeutel eignet sich daher aber für alle Aktivitäten gleichermaßen. Es macht daher Sinn, sich ein paar Gedanken zu machen, bei welchen Gelegenheiten der Turnbeutel zum Einsatz kommen soll. Grundsätzlich erweisen sich die Gym Bags als ideal zum auf dem Weg zum Strand, für einen kleinen Einkauf oder abends, wenn man außer ein wenig Bargeld und einem Pulli gegen die gegen später einsetzende Kälte nicht allzu viel mitnehmen möchte. Bewährt haben sich die Beutel unter anderem aber auch auf sommerlichen Festivals für den Gang vom Campingplatz zum Musikgelände.
Turnbeutel: unkomplizierte Begleiter
Der Turnbeutel erweist sich im Alltag als unkomplizierter, anspruchsloser Begleiter. Deutlich leichter als ein handelsüblicher Rucksack lässt er sich sogar klein zusammenfalten und in der Jackentasche oder Handtasche verstauen. Gym Bags eignen sich daher auch ideal als Zweittasche beim Einkaufsbummel – falls es aus unabsehbaren Gründen mal ein wenig mehr werden sollte. Ruckzuck lässt sie sich dann auspacken, wenn sie gebraucht wird.
Diese Leichtigkeit hat natürlich ihren Preis. So kann die funktionale Ausstattung der Turnbeutel bzw. Gym Bags mit den ausgefuchsten Organizer-Lösungen der Daypacks in den meisten Fällen nicht mithalten. Die Innenausstattung beschränkt sich in der Regel auf eine kleine Innentasche mit oder ohne Reißverschluss, in der sich Schlüssel, Smartphone usw. unterbringen lassen.
Beim Turnbeutel handelt es sich also nicht zuletzt um ein Accessoire für Minimalisten und Puristen. Er bietet Funktion auf das absolut Wesentlichste beschränkt. Ein Beutel, Träger – fertig. Kein unnötiges Chichi. Immerhin: Aufgrund ihrer wasserabweisenden Materialien zeichnen sich manche Turnbeutel durch eine erstaunliche Wetterfestigkeit aus. Ein kleiner Regenschauer kann ihnen somit nur wenig anhaben. Und das weiß sicher jeder zu schätzen.
Abschließend noch ein Tipp: Der Turnbeutel sollte bitte nicht zu schwer beladen werden. Denn besonders bequem lässt sich der Inhalt im Vergleich zu einem Daypack, der mit ergonomisch geformten Trägern sowie einem Rückentragesystem ausgestattet ist, natürlich nicht transportieren. Die dünnen Träger bzw. Kordeln können unangenehm in die Schultern einschneiden – besonders im Sommer, wenn nur ein T-Shirt unter dem Turnbeutel getragen wird. Dann können noch tagelang rote Striemen an den Einkaufsbummel oder den Ausflug erinnern.
In abgeschwächter Form gilt also immer noch die alte Fashion-Regel: Wer schön sein will, muss leiden! Zumindest ein ganz klein bisschen…