Neue Kleiderzeit
Wir leben in einer Zeit, in der sich vieles rasant ändert. Nicht erst seit März 2020 stehen viele vertraute Normen und Gepflogenheiten auf dem Prüfstand. Und das ist nicht immer schlecht. In unserem heutigen Blog Post möchten wir mit euch darüber sprechen, was für ein Wandel in der aktuellen Mode geschieht und wie euch das beeinflusst. Denn wie das alte Sprichwort lautet: „Kleider machen Leute“.
Als Christine Hardt am 5. September 1899 ein Patent für das von ihr entworfenes „Frauenleibchen als Brustträger“ anmeldete, war der Dresdenerin vermutlich nicht bewusst, dass sie damit den Lauf der Geschichte änderte. Rund dreißig Jahre später war den Wandel geschafft. Korsetts waren schlussendlich passé und fanden ihre Verwendung zunehmend im Nachtleben. Der BH war das von den meisten Frauen bevorzugte Kleidungsstück, da es ihnen in den Zeiten der großen Kraftanstrengungen der 20er und 30er Jahre genügend Freiheit und Tragekomfort bot. Der BH setzte seine Erfolgstour fort, das Korsett hatte vollends ausgedient.
Die Jogginghose, der neue BH
Nun leben wir zum Glück in einer Zeit des Friedens. Aber dennoch ist das aktuelle Geschehen ein Einschnitt in unser Leben, wie wir ihn uns nicht für möglich gehalten hätten. Der Fokus auf das Leben in den eigenen vier Wänden hat uns gezeigt, dass nicht nur Restaurantbesuch, Kinoabenteuer und wilde Partys entbehrlich (aber dennoch schmerzlich vermisst) sind, sondern dass auch das ein oder andere Kleidungsstück in diesen unsteten Zeiten eher weiter hinten im Kleiderschrank gelandet ist. Denn mal ehrlich: Wer arbeitet denn im Homeoffice und trägt dabei die ultraenge Skinnyjeans? Ähnlich wie vor rund einhundert Jahren haben wir begriffen, dass es einige Kleidungsstücke nicht mehr in unserem Leben brauchen muss, wenn wir es nicht wollen. Denn auch heutzutage steht es selbstverständlich jedem frei, ein Korsett zu tragen.
Der Trend des Jahres 2021 ist zweifelsfrei die Jogginghose. Und wer jetzt glaubt, damit sei das alte, graue und ausgemergelte Stück aus der Zeit vor Corona gemeint, der irrt sich gewaltig. Denn der Verkaufsschlager der letzten Monate sind weiche, angenehme und wunderhübsche Stoffhosen, die auch auf dem seltenen Weg zum Kindergarten, ins Büro oder zum Click&Meet eine gute Figur machen. Sind diese neuen Jogginghosen – oder auch Loungewear – der neue BH? Zurzeit weist alles darauf hin. Und selbstverständlich ist es weiterhin jedem überlassen, Skinnyjeans oder Pencilskirts zu tragen, wenn man es denn möchte. Aber auch die angesagtesten Modemarken, bekannt für Haute Couture und Co. schicken ihre Models im neuen Cozyness-Style über die Laufwege. Der Bequem-Look ist somit angekommen. Und wer kann schon etwas dagegen sagen, wenn selbst Vogue-Chefin Anna Wintour inzwischen in Jogginghosen abgelichtet wird.
Unerwartet stylisch: Die Loungewear
Bitte nicht falsch verstehen. Wenn wir hier von Loungewear sprechen, dann reden wir nicht von der Uralthose von 2017 oder der zur Loungewear umfunktionierten Yogapants. Auch wenn es unbestreitbar praktisch ist, nach einem weiteren Homeoffice-Tag den Laptop zuzuklappen und direkt auf die Yogamatte zu huschen. Haben wir im vergangenen Jahr alle schon einmal gemacht. Die Sweatwear, um die sich die Fashionistas aktuell gegenseitig beneiden, sind jedoch weitaus mehr als bloße Funktionskleidung. Weiche und besonders hautfreundliche Stoffe, gerne auch aus natürlichen Materialien bieten das Level an Komfort und Heimeligkeit, was wir alle so sehr wünschen. Dabei hat Grau als Farbe schon lange ausgedient. Die neuen Sweatpants sind in gedeckten Cremetönen, zarten Frühlingspastells oder klaren und strahlenden Edelsteintönen erhältlich. Denn die Hose möchte zeigen: „Ich bin mehr als nur eine Jogginghose“. Kombiniert wird das weiche Stück mit Sweatshirts oder T-Shirts, zarten Blusen mit Blumenprint oder ganz Business-tauglich mit einer weißen Oversize-Bluse. So entsteht erst gar nicht der Eindruck, man hätte das gute Stück einfach schnell übergezogen, bevor man zum nächsten Termin muss.
Der Clou für ein gelungenes und bequemes Outfit findet sich jedoch in seinen Accessoires. Denn das stylischste Outfit kann komplett vermurkst werden, wenn man dazu die falsche Tasche trägt. Die Freunde der omnipräsenten Handtasche, die scheinbar zu jedem Outfit passt, müssen jetzt stark sein. Denn: ein wenig Abwechslung in der Handtaschenwahl ist in dieser Saison ein absolutes Muss. Dabei finden Handtaschenmodelle, die aktuell augenscheinlich weniger gebraucht werden, durchaus neue Betätigungsfelder. Denn was sagt mehr „Ich pimpe ein Outfit auf“, als die gute alte Clutch. Selbstverständlich greifen wir hier nicht tatsächlich zum alten und schon leicht ausgebeulten Modell, dass seit 15 Jahren in der hinteren Ecke des Kleiderschranks liegt. Sondern wir suchen uns eine neue und frische Variante, die den gehobenen Ansprüchen der lässigen Loungewear genüge, tut. Pailletten und Glitzer sind vorerst passé, sanfte Creme- und Brauntöne dominieren die Farbpalette. Wer sich nach etwas Farbe sehnt, dem seien die neuen Grüntöne empfohlen, die so wunderbar an die Natur und das neue Draußensein erinnern. Auch harte Ecken und Kanten haben inzwischen ausgedient. Angesagt sind eher knautschige, ganz griffige und weiche Modelle, die den Anspruch an die Cozyness auf ein neues Niveau heben. Denn die neuen Taschen erinnern nicht zufällig an kleine Kissen.
Und es lohnt sich, jetzt in die neuen und angesagten Taschen und Hosen zu investieren. Denn eines ist sicher: Die Loungewear wird bleiben. Genau wie der BH es vor über 100 Jahren getan hat. Denn am Ende sind wir viel zu gerne bequem unterwegs, als dass wir uns in Zukunft wieder zwingen lassen, enge und unbequeme Bekleidung dauerhaft in unseren Kleiderschrank zu holen.